Totenklage
Zahlreiche Menschen wurden während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 Opfer von Vertreibungen, Massakern oder anderen Menschenrechtsverletzungen. Bis heute sind zahlreiche Opfer nicht identifiziert oder gelten als vermisst. Die Fotografien entstanden 2006 in der Leichenhalle – einer ehemaligen Fabrikhalle – des Krajina Identification Project (KIP) in Sanski Most. Das KIP ist eines von drei Identifikationszentren, das die International Commission on Missing Persons (ICMP) in Bosnien und Herzegowina betreibt. Die ICMP wurde 1996 mit dem Ziel gegründet, Opfer von bewaffneten Konflikten oder Menschenrechtsverletzungen ausfindig zu machen und zu identifizieren. Nach einer Obduktion der sterblichen Überreste, die häufig eine DNA-Analyse mit einschliesst, werden die beim Leichnam aufgefundenen Kleider, Schuhe und persönlichen Effekten zur Identifikation durch die Angehörigen auf dem Leichensack ausgebreitet, in dem die Gebeine ruhen. Die Leichensäcke werden nebeneinander auf dem Boden der Leichenhalle aufgereiht. Damit die menschlichen Überreste eindeutig identifiziert und den Angehörigen übergeben werden können, werden die Ergebnisse der Obduktionen mit den Fundgegenständen, Daten vor dem Tod sowie DNA-Analysen von Verwandten abgeglichen.
Die Arbeit war für den Swiss Photo Award 2010 der ewz.selection nominiert.